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Richtung Zukunft

WIRTSCHAFT In Piesteritz wird ein hochmodernes Rechenzentrum aufgebaut. Die Data Center GmbH soll künftig auch Drittkunden zur Verfügung stehen.

VON MARCEL DUCLAUD
WITTENBERG/MZ

SKW Piesteritz kümmert sich um die Zukunft,
beeindruckend intensiv, das hat sich längst
herum gesprochen. In wenigen Tagen etwa nimmt
ein nächster Baustein des umfassenden Konzepts,
das nicht zuletzt darauf zielt, ein attraktiver
Arbeitgeber zu sein, den Betrieb auf: der Hort.
Zwei Betriebskindertagesstätten gibt es bereits,
ein Gesundheitszentrum ebenfalls.
Das ist die eine Seite.

Neues Verwaltungsgebäude
Die andere betrifft das Geschäft, und sie wird
nicht minder intensiv betrieben. Ohne groß
Aufhebens darum zu machen, ist nahe des
Eingangs Süd zu dem traditionsreichen
Wittenberger Chemieunternehmen ein Gebäude
entstanden, das letztlich mit rund 30 Millionen
Euro zu Buche schlagen wird – wenn die ganze
hochmoderne Technik verbaut ist. Es handelt sich
längst nichtnur um ein Bürohaus – obgleich es
Büros natürlich gibt. Dort sitzt die Agrofert
Deutschland GmbH, eine Tochter der
SKW Stickstoffwerke Piesteritz GmbH,
auch die neue Bäckerei ist vertreten. Und eben
das Rechenzentrum, die Wittenberger Data
Center GmbH, eine Gründung aus dem
vergangenen Jahr, um für die Zukunft gewappnet
zu sein, die maßgeblich digital geprägt sein
dürfte. Die Entscheidung, ein modernes
Rechenzentrum am Standort Wittenberg
aufzubauen, ist nach den Worten von
Rüdiger Geserick, Vorsitzender der
Geschäftsführung von SKW Piesteritz, bereits
2014 gefallen – in Prag, wo das
Mutterunternehmen Agrofert a.s. seinen Sitz hat.
Ursprünglich, so Geserick, sollte ein
Rechenzentrum für sämtliche Töchter
der Aktiengesellschaft entstehen, 235 an der Zahl.
„Wir haben aber genügend Argumente gefunden für
ein eigenes Data Center.“ Etwa den Datenschutz,
dass der immer wichtiger würde, sei absehbar gewesen.
Der Chef von SKW Piesteritz verweist überdies
auf die Expertise vor Ort. Denn Datenverarbeitung
spielt natürlich seit Jahrzehnten eine Rolle bei dem Harnstoff-
und Ammoniakproduzenten. Einer der drei
Geschäftsführer des neuen Data Centers, Harald Sitte,
ist seit Anfang der 1980er Jahre mit dem Thema befasst.
„Ich bin seit 1982 an Bord, habe als Problemanalytiker
angefangen und kann mich noch erinnern,
Löcher in Lochkarten gestanzt zu haben.
Da gab es noch keine Bildschirme.“
Die Technik hat sich grundlegend gewandelt –
und Sitte kann mit seinem Team mit dem
Modernsten arbeiten, was der Markt hergibt.
Beim Data Center, an dessen Grundlagen im
neuen Haus noch fleißig gearbeitet wird, mit dem
Einzug ist Anfang nächsten Jahres zu rechnen,
investiert das Unternehmen kräftig. Und sehr gezielt:
„Wir denken perspektivisch und strategisch und
müssen uns natürlich den modernen Zeiten anpassen“,
betont Geserick: „IT wächst gigantisch schnell.
Wir brauchen große, leistungsfähige Systeme im
eigenen Haus.“ Im Übrigen bewege sich ohne
moderne Rechentechnik nicht viel bei SKW Piesteritz.
Logisch also, dass die Data Center GmbH auf
Wachstum ausgelegt ist. Derzeit gehören dem jungen
Unternehmen 24 Spezialisten an, wie Harald Sitte
seine Leute nennt. Die alte Mannschaft und neue Mitarbeiter.

Verdoppeln und verdreifachen
Geserick prophezeit: „Wir werden das verdoppeln
und verdreifachen.“ IT-Fachkräfte würden nach wie
vor gesucht. Nicht zuletzt deshalb, weil das Data Center
sich nicht allein um SKW Piesteritz und die Töchter
des Unternehmens kümmern soll, sondern auch
Drittkunden etwa aus den Regionen Berlin und Leipzig
zur Verfügung stehen wird. „Wir öffnen uns nach außen
und stellen unsere Kapazitäten bereit“, sagt der
Vorsitzende der Geschäftsführung. Dass das ein
attraktives Angebot ist, davon ist Geserick überzeugt:
„Wir haben moderne Technik, hohe Sicherheitsstandards
und eine schnelle Datenautobahn.“ Gerade bei letzterem,
dem superschnellen Internet mit Übertragungs-
geschwindigkeiten von mindestens 200 Megabit pro
Sekunde, handele es sich um ein Alleinstellungsmerkmal.
Anfragen gebe es bereits, auf die aber zurzeit noch
zurückhaltend reagiert werde: „Wir sind schließlich
in der Anlaufphase.“ Übrigens kann auch das neue Gebäude,
wenn nötig, ohne große Probleme erweitert werden.
Die Voraussetzungen sind bereits geschaffen.