menü
Sie benötigen einen Webbrowser mit aktiviertem JavaScript um alle Features dieser Seite nutzen zu können.
Neue Mitte wird bezogen

Neue Mitte wird bezogen

Mitteldeutsche Zeitung am 15.12.2016

VON IRINA STEINMANN

ALTSTADT Kommunale Wohnungsgesellschaft beendet erfolgreich Lückenschluss.

WITTENBERG/MZ – Und jetzt bitte alle erstmal die blauen Plastik-Füßlinge
überstreifen! Das täuschend ähnlich auf Echtholz getrimmte Laminat
soll schließlich nicht verschmutzt oder gar beschädigt werden
auf den letzten Metern. In diesen Tagen ziehen schließlich die
ersten Mieter ein in das Eckhaus, das der Bauherr, die kommunale
Wohnungsgesellschaft Wiwog, stolz die „Neue Mitte“ nennt. Auf
diesen Namen hatte sich seinerzeit die eigene Belegschaft für das
Haus in der Wittenberger Altstadt verständigt und damit der Lage an
Neu- und Mittelstraße Rechnung getragen. Der moderne Bau beseitigt
eine zig Jahre alte Brache, unter der die Archäologen seinerzeit
Reste der wohl ältesten Wohnbebauung der Stadt entdeckt hatten,
nämlich einen Wohnturm aus der Zeit um 1200.
Ein Wohnturm ist das neue Haus nun zum Glück nicht geworden,
mit zwei Etagen auf einem de facto als Keller dienenden Erdgeschoss
fügt es sich so nahtlos wie möglich ein in die historische Umgebung
ein Beleg für das erklärte Ziel der Kommune, durch Verdichtung,
durch die Nutzung zentraler Lücken und Brachen die Attraktivität
der Altstadt als Wohnort zu heben. Zu diesem Zweck darf man
freilich nicht irgendetwas bauen. Ohne die Vorzüge der „Neuen Mitte“,
die für die einen in der Barrierefreiheit bzw. -armut, für andere in der
Großzügigkeit einer Maisonettewohnung bestehen – und für alle in
den individuell verfügbaren Parkplätzen im Hof des Ensembles, wäre
es der Wiwog nicht gelungen, hier neue Mieter für die Altstadt zu
gewinnen, sagt Geschäftsführer Rando Gießmann. Tatsächlich sei
nicht einer der künftigen Hausbewohner zuvor Wiwog-Mieter gewesen.
Und mit je etwa der Hälfte halte sich der Anteil derer, die bereits
zuvor in der Stadt wohnten, und jener, die nun aus der Umgebung zuziehen,
die Waage. Wobei Umgebung durchaus nicht etwa nur Orte wie Bülzig meine,
sondern auch Leipzig und Berlin. Die „Neue Mitte“ bietet elf Drei und
Vier-Raum-Wohnungen sämtlich mit Balkon oder Terrasse, darunter
vier Maisonettewohnungen, die teils einen wunderbaren Blick bieten über
die Dächer der Wittenberger Altstadt. Zentral wohnen ohne den
Trubel (und die Einschränkungen) der nahen Fußgängerzone Collegien-
straße – dieses Konzept beschert dem Viertel nun 25 bis 30 neue Bewohner,
überwiegend Familien. Noch sind, wie Bauleiterin Carmen Kayser am Dienstag
bei einer Besichtigung mit Bürgermeistereinräumte, einige Restarbeiten zu
erledigen, das betrifft etwa den großen Gemeinschaftsraum neben den
persönlichen und abschließbaren Kellerboxen mit Tageslicht
durch Milchglasscheiben. Die Boxen, auch groß genug für ein paar Fahrräder,
sind praktischerweise direkt hinter den Stellplätzen angeordnet,
so dass die Kiste Wasser aus dem Kofferraum gleich weiterwandern
kann in die Vorratskammer. Der sonst recht nüchtern gestaltete,
modern gepflasterte private Hof verfügt über einen Röhrwasserbrunnen,
dank dem, wer mag, später auch das Grün wässern kann, das dort – wie
auch auf dem Dach – allerdings erst noch wachsen bzw. ausgesät werden muss.
Die Bauarbeiten an der „Neuen Mitte“ hatten im Oktober 2015 begonnen,
Anfang Mai war dann Richtfest. Mit 2,6 Millionen Euro ist der Bau Gießmann
zufolge auch so gut wie im Kostenrahmen geblieben, trotz des notwendigen
Wechsels von Fernwärme zur Luft-Wasser-Wärme-Pumpe, die den gesetzlichen
Anforderungen genügt. Macht einen Mietzins von mindestens 8,50 Euro – mehr
Menschen als möglich waren bereit, das zu zahlen, verweist Kayser auf eine
Warteliste. Und mancher, so Gießmann, hätte auch gern gekauft…