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Einweihung Sporthalle BS

Das „Wunder von Bad Schmiedeberg“

EINWEIHUNG Erster Antrag wurde vor 80 Jahren gestellt, jetzt hat die Stadt eine moderne Sporthalle.

VON MARCEL DUCLAUD

BAD SCHMIEDEBERG/MZ – Manchmal darf es auch eine Portion Pathos sein: „Ich habe an dieses Wunder von Bad Schmiedeberg nicht mehr geglaubt“, ruft ein hoch erfreuter Grundschulleiter in die nagelneue, gut besuchte Sporthalle, die gestern ihre offizielle, feierliche Einweihung erlebt. Harry Pfeifer spricht von einem Schmuckstück, das da entstanden ist, davon, dass die Zeit des Verzichts endlich Geschichte ist und hofft im Übrigen auf einen Motivationsschub bei kleinen und großen Sportlern.

Jahrzehntelanges Warten
In der Tat bedurfte es eines langen Ringens bis zu diesem denkwürdigen Tag, da die Stadt Bad Schmiedeberg auf eine moderne, bestens ausgestattete Turnhalle verweisen kann, die kein Provisorium ist wie die einstige Reithalle, die lange Jahre herhalten musste für Schule und Vereinssport, bis es gar nicht mehr ging. Dass es sage und schreibe 80 Jahre gedauert hat vom ersten Antrag bis zur Realisierung, darauf verweist ein nun zufriedener Bürgermeister. Stefan Dammhayn (CDU) zitiert genüsslich aus dem Papier, das vom 15. März 1934 stammt. Schon damals war die Rede von ständigen Reparaturen, Unfällen, unhaltbaren Zuständen. Die Jahre bis zur Realisierung des Neubaus charakterisiert er als häufigen „Wechsel zwischen Hoffnung und Enttäuschung“. Für jene, die das Projekt vorantreiben wollten, die Bürgermeister etwa, war es nicht zuletzt „eine Reise in die unendlichen Weiten der Bürokratie“, formuliert Dammhayn und zählt einige der zahlreichen Ministerien auf, die er besuchen durfte in Sachen Sporthalle. Dass sich der immense Aufwand gleichwohl gelohnt hat, darüber besteht allenthalben Einigkeit. Die Halle erfüllt so ziemlich alle Wünsche – und sie ist quasi ein Geschenk zum 40. Geburtstag des Schulgebäudes nebenan, mit dem sie farblich harmoniert. Leider hatte Verpackungskünstler Christo keine Zeit, sagt launig Sportlehrer Michael Winkler, sonst hätte eine Verhüllung als Präsent gut gepasst. Feierlich aber geht es allemal zu gestern. Bläser spielen, die Halle wird gesegnet, Schüler präsentieren ein sportliches Programm mit Bodenturnen, Gymnastik, Schwungtuch oder Jonglage. Landrat Jürgen Dannenberg (Linke) ist ebenso angereist wie Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU), der darum wirbt, die Halle sorgsam zu behandeln, auf dass sie mindestens hundert Jahre halte.

Schlüssel in Form eines Pokals
Eine Art Schlüssel wird ebenfalls übergeben, und zwar in Form eines Pokals. Um Pokale soll es denn auch öfter gehen bei sportlichen Wettbewerben, die in Bad Schmiedeberg nun unter mustergültigen Bedingungen ausgetragen werden können – unter anderem gibt es eine Zuschauertribüne. Winkler kündigt schon einmal Landesmeisterschaften im Mädchen-Fußball an, die im Februar nächsten Jahres über die Bühne gehen. Er hofft auf einen Pokal für das Bad Schmiedeberger Team.
Der Februar hält indes noch weitere Ereignisse bereit. Dann nämlich soll begonnen werden, das 40 Jahre alte Schulhaus gründlich zu sanieren. Das kündigt Schulleiter Roland Bette gestern an. Er sagt auch: Mit der Eröffnung der Sporthalle „zieht endlich wieder ein
Stück Normalität ein“. Der Rhythmus der Schule werde nun nicht mehr durch den Bus bestimmt. Bekanntlich fand über Jahre hinweg
der Schulsport in Pretzsch statt. Bette hat mal ausgerechnet, was das bedeutete: „Jeder Schüler ist rund 1 660 Kilometer durch die Gegend gefahren worden – gottlob unfallfrei.“ Flöten gingen dabei etwa 70 Stunden, die verbrachten die Kinder im Bus. Zeit, die besser genutzt werden kann – zum Beispiel mit Bewegung in der neuen Sporthalle. Bette: „Ich habe seit Jahren auf diesen Tag gewartet.“