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Altes Gemäuer hochmodern gefüllt

Altes Gemäuer hochmodern gefüllt

Mitteldeutsche Zeitung am 03.03.2017

ERÖFFNUNG Science Center „futurea“ lädt zur wissenschaftlichen Entdeckungsreise
ein. Ab sofort kann man das Haus von SKW am Wittenberger Markt besuchen.

WITTENBERG/MZ – Kein Zweifel, das Haus am Marktplatz ist ein echtes
Schmuckstück geworden. Dass nicht nur die Fassade des denkmal-
geschützten, frisch sanierten Gebäudes Ecke Schlossstraße etwas
hermacht, davon können sich seit Freitag Besucher des Science Centers
„futurea“ überzeugen. Das Schild „Eröffnung demnächst“ ist
verschwunden, man darf eintreten – und landet gleich zu Beginn des
Rundgangs im 17. Jahrhundert. Am Tisch der Familie Blume – die dereinst
das Haus bewohnte – taucht man tief in die Vergangenheit ein,
hat Teil an Sorgen und Nöten, an Diskussionen über Missernten und
Schwierigkeiten, die Ernährung zu sichern. Die gute Stube bei Luthers
und der Esstisch im Hause Melanchthon lassen grüßen – und
doch ist im Science Center einiges anders. „Dies ist kein Museum“, versichert
Janina Dorn. Das historische Ambiente sei wiederbelebt worden, um von
der Geschichte in Gegenwart und Zukunft zu führen, unterstreicht die Leiterin
des Science Centers. Vom Tischgespräch ausgehend, knüpft die Ausstellung
geschickt an die landwirtschaftlichen Entwicklungen an und bringt die
Wissenschaft ins Spiel. Justus Liebig höchstpersönlich stellt das Verfahren
der Stickstoffherstellung dar, sein Kollege Friedrich Wöhler stellt Harnstoff her
und zusammen mit William Crookes und Margarethe Blume wird aus dem
Bilderrahmen heraus diskutiert. „Die sprechenden Bilder haben wir uns von
Harry Potter abgeguckt“, gesteht Janina Dorn lächelnd. Das sind indes bei
weitem nicht die einzigen Mittel der Moderne, die im Science Center
zum Einsatz kommen. Das Reservoir an technischen Möglichkeiten wird
weidlich ausgenutzt, um Wissenschaftsgeschichte anschaulich zu machen.
Für die ausgestellten Exponate gilt: Nicht nur anschauen ist angesagt, anfassen
ist ausdrücklich erlaubt, mitmachen erwünscht. Wer sich auf eine Waage stellt,
kann den Stickstoffgehalt im eigenen Körper messen lassen. Wer sein
chemisches Schulwissen wiederbeleben will, kann Harnstoff und
Ammoniakmoleküle zusammenbauen; auch als Landwirt aktiv zu werden ist
möglich. Interaktivität ist die Zauber-Formel, mit der hier spielerisch gearbeitet
wird. Erwachsene und (Schul-)Kinder sind gleichermaßen eingeladen mitzutun
und mitzuerleben, auszuprobieren und zu erkennen. Allerorten stehen
Fußbänke bereit, damit auch die Jüngsten überall heranreichen. Auf drei
Ebenen werden acht Themenfelder beleuchtet; die insgesamt 65 Exponate
sollen das lebendige Bild eines wichtigen Industriezweigs in der Lutherstadt
vermitteln, Wittenberg als Industrie-und Kulturstandort zeigen – und letztlich
auch „das Image der Chemie aufwerten“, so Leiterin Janina Dorn. Die ersten
Besucher zeigen sich durchaus angetan. Der zehnjährige Niklas Sarcher
aus Bayern – derzeit zu Besuch bei der Oma in Wittenberg – kann sich gar
nicht losreißen angesichts der vielen Möglichkeiten, Dinge selbst
auszuprobieren. „Ich find’s super“, bekundet er. Auch Erwachsene sind
begeistert. „Das ist ganz, ganz toll gelungen“, urteilt Elke Hurdelbrink.
„Zukunftsweisend“, findet die ehemalige Lehrerin für Mathematik und
Physik die Ausstellung und freut sich zudem, „was aus dem herunter-
gekommenen Haus geworden ist“. Sie werde wiederkommen, zusammen,
verspricht sie, zusammen mit den Mitgliedern des Wittenberger
Heimatvereins, in dem die Pensionärin aktiv ist.